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Reisebericht Amazonas-Rio Negro und Manaus - März 2005
Kurz nach Mitternacht landeten wir nach einem ruhigen Flug in Manaus. Auf dem Flughafen ankommen umschwärmten uns sofort einige Tour-Guides, die schwer abzuwimmeln sind. Kurz nach Karneval ist in Manaus nichts mehr los und die Jungs brauchen halt auch mal Arbeit... . Wir unterhielten uns kurz mit einem Schweizer Guide, der mit uns dann in einem Taxi in die Innenstadt fuhr. So kam er zumindest zu einer Gratis-Taxifahrt, da wir keine Tour bei ihm buchten. In die Stadt ging es rasant. Der Schweizer hielt den Taxifahrer ein kurz vorher abgefahrenens Taxi einzuholen, in dem andere Touris saßen. Bei deren Hotel angekommen, verschwand der Schweizer wieder. Ruhiger ging es nun zu unserem Hostel, das ca. 500m vom imposanten Theater von Manaus entfernt war. Todmüde fielen wir in unsere Betten.

erster Tag:
Nach einem sehr üppigen Frühstück mit x-verschiedenen interessanten Fruchtsäften gingen wir in die Innenstadt, zum einen um ein bisschen was von Manaus zu sehen, zum anderen um eventuell schon einen Trip auf dem Amazonas fixzumachen. 
Manaus ist eine quirlige Stadt mit vielen kleinen Geschäften. Am Hafen besichtigten wir kurz den alten Markt und sahen zu wie die Schiffe beladen wurden. Irgendwie war uns das Treiben auf den Straßen zu stressig und machten uns auf die Suche nach einem Touranbieter. Nach kurzer Zeit trafen wir auf einen Scout von einem gewissen Armstrong, der (wie wir mittlerweile wissen) in Manaus bekannt ist, wie ein bunter Vogel. In seinem Büro angekommen unterhielten wir uns, zusammen mit fünf Slowaken, mit ihm und besprachen die Tour. Da wir und auch die Slowaken nur für 3 Tage Zeit hatten empfahl uns Armstrong sofort zu starten. Wir verhandelten noch ungefähr eine Stunde um den Preis und stimmten dann zu. Preis pro Person 200 €, für drei Nächte auf dem Schiff inkl. Essen und Trinken ist das meiner Meinung nach völlig ok. Da wir nun natürlich noch unser Gepäck im Hotel holen mußten, wurden wir zu Fuß von den Armstrong-Scouts begleitet. Angeblich aus Sicherheitsgründen, in Wahrheit ging es wohl darum, daß er uns als als Touri nicht an einen Konkurrenten verliert. Nachdem wir unsere sieben Sachen zusammengepackt hatten und (mit dem Scout) in der Nähe von Armstrongs Büro angekommen waren, hatten wir plötzlich 2 Stunden Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen. Und das obwohl uns vorher erzählt würde das Schiff lege in 1,5 Stunden ab...Trotzdem: das Essen war sehr gut und das kleine Restaurant auf einer kleinen Anhöhe ermöglichte uns ganz relaxt das Treiben auf den Straßen von Manaus zu beobachten.
Anschließend wurden wir zum Hafen von Manaus gefahren. Wir checkten auf einem Boot mit anderen Touristen ein, um das Encontro das Aguas am Zusammenfluß des Rio Solimoes (Amazonas) und des Rio Negro zu sehen.
Wir spürten die verschiedenen Temperaturen der zwei Flüße und sahen vom Boot aus auch die verschiedenen Farben der zwei Amazonasflüße. Das Boot verweilte ca. 15 Minuten an diesem "Encontro das Aguas". Anschließend ging es noch auf ein Flußdorf in der Nähe von Manaus. Dieses Dorf schwimmt auf dem Lago do Janauari und befindet sich inmitten des Nationalparks Parque Ecologico Janauari. Direkt an den Flußdörfern sahen wir die Riesenseerose Victoria Regia, Wasservögel, Papageien und zwei Affen. Anschließend ging es mit dem Boot wieder zurück nach Manaus.
Im Hafen angekommen erwartete uns schon unser Guide und brachte uns zum eigentlichen Schiff, mit dem wir den Rio Negro erkunden würden. Ein schönes altes Doppelstockschiff, wie man es aus Photos kennt.
Die Guides beluden das Schiff mit Lebensmitteln, Eis und natürlich Cachaca . Und schon gings los. Nach einem kurzen Stop an einer Tankstelle mitten auf dem Fluß verließen wir so langsam die Stadt. Die Guides richteten das Essen, Reis mit Bohnen, Farofa, Farinha, Palmitos...das Essen war ausreichend und gut, ich werde es für die kommenden Tage nicht beschreiben, da es immer das Gleiche gab. Anschließend...Hängematte und gute Nacht! 
Fazit Tag 1: Zum einen entäuschend. Das "Encontro das Aguas",
in Reiseführern als Naturschauspiel beschrieben ist meiner Ansicht nach nun wirklich nichts Besonderers. Und eingesperrte Kaimane und anderes Getier, auf einem Flußdorf gehalten, um den Touris vorgeführt zu werden ist nun auch nicht sehr berauschend. Auf der anderen Seite, war das schon ok. Ich wollte ja zu diesem Encontro das Aguas. Die restliche Zeit auf dem Boot war entspannend und die Stopps an Flussdörfern mit den Amazonaskindern teils ganz witzig.
zweiter Tag:
Wir schliefen alle am Oberdeck und schaukelten während unser Amazonasdampfer den Rio Negro weiter hinauf fuhr. Ich schlief in der Hängematte ausgezeichnet. Während der Nacht legte unser Kapitän an einem kleinen Dorf an. Verschlafen blickte ich in der Morgensonne über die Reeling und sah eine Familie, die ihr Geschirr im Rio Negro putzte.
Wir frühstückten und gingen "an Land".
Hier wurde ein Dorfbewohner engangiert, um uns auf einem Rundweg durch den Dschungel zu begleiten. Wir wanderten los, bergauf und bergab, der Guide mit der Machete voran. Bei der Hitze mit unglaublicher Luftfeuchtigkeit ein anstrengender Ausflug, allerdings lohnenswert. Der Guide schlitzte kleine Wunden in die Bäume und wir tranken Milch und Wasser aus Bäumen, sie erklärten uns das Leben im Amazonas und zum Abschluß der Höhepunkt. Kurz vor dem Schiff blieb der Guide an einer kleinen Höhle stehen. Er stocherte ganz vorsichtig mit einem Stöckchen hinein und eine handgroße Tarantel kam heraus. Mit einem langen Stock provozierte er die Riesenspinne ein bisschen und so sahen wir, daß die Tarantel im Angriff locker ein, zwei Meter springen kann. 
Nach diesem antrengenden, aber schönen Spaziergang fuhren wir mit dem Boot ein bisschen weiter den Rio Negro hinauf. Es ging an einen wunderschönen Strand. Das Schiff legte an und wir sprangen direkt ins Wasser. Weiße Sandstrände mitten im Amazonas am Rio Negro. Traumhaft!
Nach gut einer Stunde relaxen ging es weiter den Rio Negro hinauf. Begleitet von Delphinen und einem kurzen aber starken Regenschauer fuhren wir wieder in einen kleinen Nebenarm des Rio Negro hinein. Mit drei kleinen Ruderbooten ruderten wir einen ganz kleinen Nebenarm hinauf. Anstrengend aber lohnenswert. Wir ruderten bis das Wasser nur noch einen Meter tief war und der Bach vielleicht noch 2 Meter breit. Dann ging nichts mehr weiter. Zuviel Gebüsch
und kleine Bäume versperrten den Weg. Doch wir sahen vielerlei Tiere. Fingernagelgroße Frösche, kleine Schlangen und sogar ein paar Affen. Die Rückfahrt zum Schiff ging nun flußabwärts umso flotter.
Angekommmen warfen wir die Kameras auf das Schiff und schwammen eine gute Stunde neben dem Schiff her den Rio Negro hinab. Wunderbar erfrischend im warmen Wasser.
Am Abend fuhren wir noch in einen kleinen Nebenfluß des Rio Negro. Auf kleine Boote umgestiegen ging es zum Piranha-Fischen. Mit provisorischen Angeln versuchten wir nun unser Abendessen zu verdienen. Die kleinen Piranhas huschten durchs Wasser nur selten blieb einer vor unseren Angeln stehen. Und dann fraßen sie flink das Fleisch vom Köder und waren weg. Unser Guide hatte da schon mehr Erfahrung und holte in dieser knappen Stunde doch zehn Piranhas aus dem Wasser, die unser Abendessen werden sollten. An Board zurück nahmen die Guides in kurzer Zeit die Piranhas auseinander. Paniert und mit Knoblauch ab in die Pfanne damit. Mir haben die Piranhas sehr gut geschmeckt. Nach dem Abendessen und 2 Piranhas im Bauch ging es bei Dunkelheit mit zwei kleinen Ruderbooten wieder in einen kleinen Seitenarm des Rio Negros. Tierbeobachtung. Der Guide blendete mit seiner Lampe ins Dickicht und wir sahen die Augen von unzähligen Kaimanen leuchten. Wirklich beeindruckend in dieser Stille. Und nun zeigte der Guide uns noch, warum er vorab schon sagte, daß wir die Hände bitte im Boot lassen sollten. Mit einer Lampe ins Wasser geleuchtet beobachteten wir in kurzer Zeit eine Wasserschlange, Piranhas und kleinere Kaimane unter unserem Boot. Im Dunkeln holte der Guide mit einer schnellen Handbewegung einen ca. 40cm großen Kaiman aus dem Wasser. Er zeigte uns die Krallen und vor allem die spitzen Zähne dieses noch jungen Kaimans. Er legte in wieder ins Wasser, dort lag der Kaiman noch für eine Sekunde wie erstarrt, bevor er blitzartig wieder verschwand. Wir ruderten wieder zu unserem Amazonas-Dampfer zurück und genossen noch mehrere eisgekühlte brasilianische Caipirinha mit Cachaca Velho Barreiro.
dritter Tag:
Als wir morgens aufwachten waren wir schon ganz in der Nähe des Anavilhanas-Archipels.
Das Anavilhanas ist ein riesiges Flussarchipel mit mehr als 400 Inseln. Stundelang fuhren wir mit einem kleinen Motorboot auf den kleinen Wasserwegen durch die Inseln. Die Guides erklärten Flora und Fauna.
Betreten darf man die Inseln nicht. Das ist Forschern vorbehalten. Auf dem Rückweg zum Schiff fuhren wir noch an den Ariau Amazon Towers vorbei. Die Ariau Towers ist die größte Dschungel Lodge im Amazonas mit mehr als 200 Zimmern. Durch kilometerlange Holzstege sind die Gebäude miteinander verbunden und bieten direkten Einblick in die Natur des Amazonas. Vielleicht beim nächsten Mal...
Nach einem ordentlichen Amazonasregen (glücklicherweise waren wir schon wieder auf dem Schiff) steuerten wir ein Indianerdorf an. Kaum hatte das Schiff angelegt, sprang gut ein Dutzend Kinder an Bord, die vorher im Rio Negro badeten.
Der Guide empfahl uns unsere Wertsachen mitzunehmen und wir stiegen die rund dreißig Höhenmeter zum Dorf hinauf. Oben angekommen umringten uns weitere zahlreiche Kinder. Wir wurden durchs Dorf geführt und man erklärte uns das Leben als Indianer im Amazonas. In den einzelnen Hütten wurden uns die Alltagsprobleme nahegebracht.
Der ganze Hausstand ist selbstgemacht z.B. ist das komplette Besteck aus Holz geschnitzt. Ein Slowake aus unserer Reisegruppe hat einer Indianerin ihr Besteck für unverschämt kleines Geld abgekauft. Sie freute sich über die umgerechnet 10 €. Anschließend erklärte uns der Dorfälteste die im Grunde sehr traurige Geschichte. Er erzählte vom früheren Leben im Einklang mit der Natur. Das Leben funktionierte ohne Geld, man lebte vom Urwald. Als die ersten Weißen kamen, konnten die ersten nicht widerstehen und fuhren in die ferne Stadt Manaus, um zu arbeiten. Sie kehrten zurück mit ein paar Reais und hatten Gefallen am Alkohol gefunden. Es mischte sich Neid unter das Dorf, heute kann man ohne Geld nicht mehr leben und ist abhängig von Finanzhilfen der Regierung.

Vom Indianerdorf aus erlebten wir anschließend noch den schönsten Sonnenuntergang, den ich in meinem Leben gesehen hatte.
Neben uns spielten die Indianerkinder, stiegen auf Palmen und beäugten uns mit Interesse. Im Dunkeln stiegen wir nun zu unserem Boot hinab und tuckerten nun mit Vollgas in Richtung Manaus zurück. Das Amazonasabenteuer ging seinem Ende zu. Gegen 21:00 Uhr abends kamen wir in Manaus an und hatten nun noch Zeit bis 05:00 Uhr morgens zum Weiterflug nach Belem. Ein Taxi fuhr uns in ein abgewohntes Billighotel (10 Reais die Nacht), um zu duschen und etwas zu essen. In diesem Viertel wollten wir allerdings nicht hinaus. Wir wagten gerade die 10 Meter über die Straße in ein Kilorestaurant. Dort nahm ich lediglich Reis zu mir, da mir das Essen nicht geheuer war. Trotzdem: Schon eine Stunde nach dem Reis war mir übel. Um zwei Uhr morgens sollte das von Armstrong versprochene Taxi vor Ort sein. Das kam leider nicht und der unfreundliche Herr an der Rezeption rufte uns ein Taxi, das uns glücklicherweise sicher zum Flughafen brachte.
Fazit:
Der Ausflug auf den Amazonas war es allemal wert. Auch wenn es nicht ganz einfach ist vor Ort eine günstige Tour zu buchen. Der Touranbieter hatte viel versprochen und nicht alles gehalten. Trotzdem ist aufgrund der Schönheit der Natur über einiges hinwegzusehen und ich würde die Tour nochmal genauso machen.
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